Dünn, dünner, Spitze

Schon seitdem ich BHs trage liebe ich Spitze. Vor 10 Jahren trug ich sie als gepolsterte Bügel-BH Modelle. Erst mit dem Älterwerden und meiner Diplomarbeit über die Entwicklung der Unterwäsche im 20. Jahrhundert, fing ich an die Vorzüge weicher BHs zu entdecken. Erst kam die Polsterung weg dann kamen peu à peu die Bügel weg. Übrig blieben die 15 Gramm Spitze, inklusive der Träger.

Dessous 15 Gramm leicht aus hauchzarter Spitze

Ich dachte mir eigentlich ist die Entwicklung der Dessous rückläufig. Hatten wir schon freizügigere Zeiten erlebt, wie Rudi Gernreichs No-Bra, der Anfang der 60er in den Werbungsanzeigen inklusive sichtbarer Brustwarzen auftauchte. Auf amerikanischen Seiten muss ich Brustwarzen retuschieren, Soziale Plattformen zensieren meine Dessousbilder auch immer wieder.

Meine Französisch Lehrerin – sie war damals knapp 60 Jahre alt – hatte etwas mondänes, kam aus Leipzig aber ihr Wesen war eher wie das einer Französin. Sehr schlank, mit kleiner Brust, und immer einem dicken Eyeliner und einem leichten Schal bekleidet. Sie hatte einfach Stil. Sie trug nie einen BH. Mir fiel das als Schülerin auf, weil man die Brustwarzen gut abgebildet sehen konnte, das war auch eine Art Kleidung. Ich selbst fühle mich eher als Deutsche. Ich trage meist einen BH damit er meine Brust stützt und formt. Reine Gewohnheitssache. In der Pubertät hätte ich nie einen weichen BH getragen, da wollte ich nichts von mir zeigen. Jetzt trage ich weiche BHs, also ungefütterte und bügellose Modelle die sich organisch anfühlen und in denen sich der Busen wohl fühlt und natürlich aussieht. Mein Schrank beherbergt Bügel BHs, vieler verschiedener Hersteller. Ich habe vor allem auch gerne Farben im Schrank, einfach weil es Spaß macht auch mal orange, blau, flieder, pink oder zartes Taubenblau zu tragen. Ich finde nicht dass man sich auf eine Farbe festlegen sollte. Der BH tut immer was für Einen. Wenn man blass ist, kann man genauso einen schönen blassen Pastellton tragen. Und wenn man ein kühler Sommertyp ist, kann man auch eine warme Farbe tragen. Und heute, heute hab ich mich für BH-los entschieden. Diesmal war das aber eine ganz pragmatisch deutsche Entscheidung, Blogschreiben geht auch ohne BH und so erlebe ich ein reales Schreibgefühl.

Sicherlich sind meine „Nicht-BHs“ die ich in meinem Onlineshop verkaufe ein Nischenprodukt. Und genau deshalb findet man sie nicht an jeder Ecke. Mein Model Calla Flieder ist wohl das natürlichste Dessous-Stück das ich in meinem Sortiment führe:

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Mein Leben als Dessousschneiderin hat sich eher in Richtung Nacktheit entwickelt. So wie man schön sagt, die Schuster haben die schlechtesten Schuhe 🙂 Oder gar Keine. Ich denke es hat einen therapeutischen Effekt sich nackt wohl zu fühlen. Und es hat auch einen wahnsinnig anziehenden Effekt auf die Männerwelt. Bei meinen Dessous lässt sich nicht verhindern dass sich die Brustwarzen einmal auf der Oberbekleidung abzeichnen, und welch natürlicheren und schöneren Effekt gibt es?

Gerade der Schritt von verdrahteten geformten und voluminösen BH Formen hin zur Nacktheit ist riesig. Ein kleiner Zwischenschritt, ist da der Soft BH, der die Brust nicht eindellt oder verdrückt, aber sie dennoch runder formt und anhebt. Sie mit edler Spitze in der Lieblingsfarbe umrahmt und schmückt. Und wer mag, kann natürlich auch Träger angebracht bekommen, denn jedes Dessous wird individuell gefertigt 🙂

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